Törnbericht Überführung Sardinien – Sizilien

Catania  – wir kommen!

Wir werden uns diese Woche mit unserer LUMUMBA auf den Weg machen nach Sizilien. www.segeln.ch/cagliari-catania.

Wir haben 6 Gäste dabei, 5 von ihnen sind an Meilen sammelnn um dann irgendwann einmal den B-Schein zu bekommen und selber Skipper zu werden. Wir haben diese Woche 413 sm gemacht.

 

 

Samstagabend 22:15 Uhr

Nachdem unsere neuen Gäste alle ankamen sind wir gemeinsam Abendessen gewesen. Das Restaurant in der Marina Sant Elmo (www.marinasantelmo.it) kann ich wirklich empfehlen. Es wird aus Leidenschaft eingekauft, der Besitzer isst selber gerne, immer alles frisch und schmeckt total lecker.

Sonntag:

Tagwache für unsere Gäste ist 9 Uhr, zum Frühstück. Ein wenig von den Infos werden bereits besprochen, auch das die Crew für das abwaschen zuständig ist, da Jürg und ich ja kochen. Nach dem Abwasch habe ich dann auch schon vom DWD (www.dwd.de/DE/Home/home_node.html) unser Wetter und Streckenempfehlung erhalten. (Wir können den DWD sehr empfehlen. Gerade für Überführungen ist es sehr hilfreich einen Streckenempfehlung von ihnen zu bekommen. Bis jetzt hat es immer gepasst. weiter unten könnt ihr lesen, warum wir froh um sie sind!) Aufgrund des aufkommenden Sturms um Sizilien schlagen Sie uns vor, auf die Nacht am Capo Carbonara zu verzichten und direkt rüber zu segeln. Was wir dann auch so machen. Es hat recht viel Wind, 7 Bf teilweisen sogar 8. mehr als genug für den ersten Tag….

Nach der gründlichen Einführung können wir am späten Mittag ablegen. Kaum sind wir aus dem Hafen, fallen alle über Ihr Sandwich her… Klar Mittagessens viel ja aus.

Jürg zeigt wie die Segel gesetzt werden und erklärt den Plotter. Nach den ersten10 sm kann ich das Ruder an den ersten Gast abgeben. Es folgt ein 30 min Turnus, damit jeder Mal spürt wie die Lumumba sich anfühlt.

Später entscheiden wir uns dafür, alle können mit ihren Kojen – Partner auch die Wache nehmen. Die erste Nacht ist rum. Ausfall von Andrea, wegen Seekrankheit. Sylviane ist froh, muss sie das Rudere nicht abgeben, sie hat Nachholbedarf. Macht es aber auch schon sehr gut. Man merkt ihr die vielen Seemeilen an. Hubert und Robert haben Wache. Hubi muss sich oft übergeben wird immer weisser im Gesicht. Langsam gleicht er einer Leiche, denke ich mir so. (www.segeln.ch/seekrankheit)

Der Wind kommt achterlich und wir haben 4-5 Bf. der Kurs ist nicht ideal wir müssen kreuzen, somit wird alle 2 Stunden gehalst. Unsere Crew ist noch nicht sicher am Ruder und somit heisst es für uns die ganze Nacht mit Wache schieben.

Montagabend 20:00 Uhr

Das hatten wir noch nie: allen Gästen ist mehr oder weniger schlecht… Alle seekrank. (Bericht über Seekrankheit verlinken)! Ein Mann fällt bis heute ganz aus; Hubi sah bereits in der Nacht aus wie eine Leiche und ich habe ihn ins Bett geschickt. Im Bett liegen ist die beste Medizin. Das hat er sich wohl zu Herzen genommen. Er liegt dort seit 14 Stunden und wird wohl auch dort bleiben bis wir Ustica erreicht haben.

Jürg übernimmt gerade das Ruder, für Hubert. Roland liegt oben auf der Bank, ihm ist auch gerade schlecht. Er war auf dem WC und dann geht’s meistens los, bei den meisten ist es so.

Delphineeee…!!! Gestern, heute früh bei Sonnenaufgang und jetzt zum Abend wieder, Schildkröten… Wunderschöne Momente in dem alle ihre Seekrankheit einen kurzen Moment vergessen.

Dienstag 02:00 Uhr:

Wir haben gerade den Motor eingeschaltet. Der Wind ging runter bis auf 13 kn und wir haben noch 20 sm bis Ustica. Jam-Jam (das ist ein Insider) haben wir zurück ins Bett geschickt, sie war müde und wird hier oben nichts verpassen. Das Angebot nahm sie auch gerne an. Andrea hatten wir ganz befreit von der Schicht 24-03:00 h, da sie zu wenige Segelkenntnisse hat und der Segelkurs nicht gerade einfach ist. Ausserdem leidet sie leider auch noch etwas an Seekrankheit. Das macht es auch nicht einfach. Am Horizont sehen wir Wetterleuchten und der Mond, zwar von einigen Wolken verdrängt, sorgt dafür, dass wir es recht hell haben diese Nacht.

Mittwoch 02:25 Uhr:

Hubi und Robert sind an der Wache. Wir sind seit um 21:00 unter Motor. Der Wind passt nicht zur unserer Richtung und da wir dem Sturmböen in der Strasse von Messina entkommen wollen, segeln wir am Stromboli vorbei und werden dort nicht Ankern, damit wir ihn spucken sehen, müssten wir den Motor einschalten sonst wären wir erst im hellen dort angekommen und ass wäre doch sehr schade…

Jürg und ich haben die Möglichkeit genutzt und sind bis jetzt ins Bett. Robert kam dann eben um uns zu wecken. Es hat ein Boot mit 2 roten Lichtern übereinander. Was heisst das wohl? Richtig: Manövrierunfähig. Ein Fischerboot bei der Arbeit. Die beiden waren sich nicht sicher und haben richtig gehandelt indem sie uns geeckt haben. Wir sind ihnen dann etwas ausgewichen. Jürg erklärt jetzt grad wie man eine Peilung machen könnte.

Donnerstagabend 19:20 Uhr:

Wir sind seit gestern Mittag in Messina. Der Chirocco ist auch angekommen, genau wie es von DWD vorausgesagt wurde

(www.wetteronline.de/wetterlexikon?topic=schirokko).

Es stürmt hier mit bis zu 10 Bf, zum Glück haben wir die Empfehlung des deutschen Wetterdienst ernst genommen. Zeit um sich Messina anzuschauen. Ist Messina eine Reise wert? Ich weiss es nicht, ist Messina ein Dreckloch auf Sizilien? Ja vielleicht. Messina ist eigentlich eine sehr schöne Stadt.

Strassen mit Alleen von Bäumen in dem Schatten bekommt, wer möchte. Alte Gebäude die Lust auf die Sizilianische Geschichte machen. Leider werden diese nicht gepflegt, es verfällt langsam alles. Es ist dreckig hier. Überall Müllcontainer voll mit Müll. Auf den Strassen in den Büschen überall Müll. Ich weiss nicht was hier verkehrt läuft, sicher ist, dass zu wenig Geld in die Stadt investiert wird. und sicher ist auch, dass es sehr schade ist um die Stadt.

Gestern als wir anlegen, seitwärts, lag neben uns ein Segelboot mit deutscher Flagge. Wir haben nur einen Mann auf dem Boot gesehen. Heute früh, als Jürg und ich joggen gegangen sind, verlies das Boot den Hafen. Wir dachten noch, er will auf die andere Seite von der Strasse von Messina, der Hafen ist vielleicht sicherer… Überlegten ob wir das auch machen sollten… Gegen 11: Uhr sahen wir das Boot zurück kommen. Komisch, wir holten das Fernglas und sahen dass es dort Probleme geben muss. Das Vorsegel war zerrissen und das Schiff nicht steuerbar. Es trieb immer mehr durch den Wind in unsere Richtung, dann passierte das, was nie passieren sollte, Patenthalse! Wir beobachten weiter wie nach einigen Schwierigkeiten das Schiff wieder in die Mitte Abtrieb. Von segeln kann man nicht sprechen, wenden konnte er auch nicht mehr. Wir funkten die Marina an. Der Marineros sagte uns, dass er bereits die Guardia di coasteria angefunkt habe. Auch mehrere Fähren funkten diese an. Die Antwort war erst einmal schockierend: wer bei so ein Wetter raus geht hat selber schuld, war die Antwort! Nach ca. 1 Stunde sind sie dann doch raus gefahren. Inzwischen war das Segelschiff auf der anderen Seite, gestrandet!!! Die Polizei kam zurück und meinte, wir können nicht helfen, wir haben das falsche Schiff. Es wurde eine andere Behörde geschickt. Wir sind immer noch sehr schockiert über das alles. Es wurde hier ein Menschenleben aufs Spiel gesetzt weil die Herrschaften zu feige waren, zu bequem über sonst etwas. Wären sie raus gefahren als das Schiff noch auf unserer Seite trieb, zu den Zeitpunkt als ungefähr 4 verschiedene Meldungen über dieses Schiff bei der Polizei reinging, wäre sicher alles gut gegangen.

Wir werden uns mit dem Schiffseigner in Verbindung setzen, die Marina hat uns seine Telefon Nummer gegeben. Evtl. kann er unsere Hilfe bei seiner Versicherung gebrauchen.

Unsere Gäste sind unterwegs zum Abendessen. Jürg und ich gehen meistens nicht mit ins Restaurant. Wir nutzen die sturmfreie Bude um dann Büro zu machen oder uns einfach zu erholen. Morgen soll der Sturm deutlich weniger sein und deshalb haben wir frühstücken um 06:00 abgemacht. Ziel ist um 7 auszulaufen, denn wir haben doch noch 50 sm vor uns. Sollte der Wind noch zu stark sein werden wir im Hafen bleiben müssen und einen Transport nach Catania für unsere Crew organisieren.

Samstag, 22:15 Uhr

Der Törn ist zu Ende!

Wir sind gestern die letzten 50 sm unter Motor gefahren. Nachdem es so viel Wind hatte am Donnerstag, hatte es Freitag überhaupt keinen Wind. Wie so oft, stellen wir immer wieder fest, das Wetter ist unberechenbar! Zum Glück; etwas was die Menschen noch nicht beeinflussen können….

Nachdem wir bereits gegen 15:00 Uhr angekommen sind in Catania, hatten wir noch Zeit etwas die Stadt anzuschauen bevor am Abend auf der LUMUMBA der letzte Abend stattgefunden hat.

Catania bezaubert mit vielen alten Gebäuden. Ist im Vergleich zu Messina direkt sauber. Grosse Kirchen und Gebäude und schmale Gassen in deren Häuser fast zusammenfallen überwältigen einen mit ihren Charme.

Die engen Strassen und die vielen Autos erschrecken einen zuerst, wenn man dann etwas beobachtet, stellt man fest, hier läuft alles. Ein kontrolliertes Chaos, ohne dass wie bei uns alles verboten wird. Wahrscheinlich passieren hier weniger Unfälle als bei uns.

Wer irgendwann einmal hier her kommen sollte, muss unbedingt in das Feinkostgeschäft „Wine & Charme in der Via Vittorio Emanuele vorbei gehen, hier wird einen mit viel Liebe und Leidenschaft die Sizilianische Weine und Delikatessen (www.wineandcharme.com).

Am Abend wird auf der LUMUMBA gegessen. Unsere Crew erobert danach noch Catanias Nachtleben. Die ersten kommen nach Mitternacht zurück, die anderen…? Sehr früh wie wir am nächsten Morgen erfahren. Reto muss bereits ein Taxi um 4 nehmen zum Flughafen und

Andrea, der die Cocktails nicht so gut bekommen sind, entschied sie wegen Katerstimmung den gleichen Flug zunehmen und zuhause zu relaxen. Roland, Jam-Jam, Hubi und Robert kommen am Mittag noch mal zum Mittagessen und verabschieden sich dann am Nachmittag endgültig.

Inzwischen haben wir bereits die gesamte Wäsche frisch gewaschen zurück bekommen, waren einkaufen und können jetzt auch ein wenig relaxen…

Es war ein toller Segeltörn mit, wieder einmal, tollen Gästen. Es ist immer schön, dass wir Menschen wie ihnen begegnen dürfen.

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